Integrationsgarten

Seit 2017 sind die Pforten des Oettinger Integrationsgartens geöffnet  - es ein Gemeinschaftsprojekt von Sozialer Stadt und Obst- und Gartenbauverein, das 2017 beim Heimatpreis in der Kategorie Kultur und Gesellschaft der Rieser Volks-und Raiffeisenbanken den 3. Platz bekommen hat.

Integrationsgarten

Die Projektgruppe Integration im Rahmen der „Sozialen Stadt“ stellte fest dass vor allem die Familien im Flüchtlings- und Asylbewerberheim sehr beengt wohnen und es keine Aufenthaltsmöglichkeit im Außenbereich gibt. Als Quartiermanagerin kam mir die Idee, einen Integrationsgarten zu initiieren. Eine Umfrage im Heim ergab das Interesse von 12 Familien. In dieser Zeit suchte der Obst- und Gartenbauverein (OGV) nach einer Fläche, um vor allem jungen Menschen das Praxiswissen weiterzugeben und zu experimentieren z.B. beim Anbau verschiedener Kartoffelsorten.

Daraus entstand die Idee, beides unter „einem Dach“ zu realisieren. Gemeinsam haben wir uns einen bereits bestehenden interkulturellen Garten in Aalen angeschaut und hatten damit eine Grundlage zu überlegen, wie wir unser Projekt gestalten wollen. Ein städtisches Grundstück wurde gefunden, der Boden bearbeitet. Der Obst- und Gartenbauverein hatte die Idee, einen mobilen Wagen zu bauen, in dem auch die notwendigen Geräte untergebracht werden können.

Im Oktober 2016 haben wir ein Eröffnungsfest auf der „Noch-Rasenfläche“ organisiert zu dem alle Interessenten und die gesamte Nachbarschaft (persönliche Einladungen und über die Presse) geladen waren. Die Bürgermeisterin und der Vorsitzende des OGV haben mit dem Pflug eine symbolische Furche gezogen und es wurde gefeiert: Die Familien und die Integrationsgruppe haben Speisen aus verschiedenen Ländern zubereitet, es wurde gegrillt, die Kinder konnten Stockbrot über dem Feuer rösten.
Wer mitmachen wollte – Oettinger Bürger und Bewohner des Flüchtlingsheimes konnten sich für eine Fläche von 10-30 qm eintragen.

Im Frühjahr 2017 wurde gemeinsam vom OGV und den Bewohnern des Flüchtlingsheimes (die als Handwerker ihre Fähigkeiten einbringen konnten und oft auch das Zepter übernommen haben) ein mobiler Zaun gesetzt, Eingänge gebaut, ein Zugang zum nahen Graben geschaffen, der Wagen gestrichen, Sandkasten und Zelt errichtet etc. Die Beete wurden an 13 Familien vergeben, gut die Hälfte aus dem Flüchtlingsheim, die andern Familien stammen aus Oettingen.

Jeder kann nach Belieben das Gelände betreten, sein Beet bearbeiten, grillen usw. Ein Familienvater aus Afghanistan sagte, er sei sehr dankbar für diesen Ort. „Hier habe ich die Ruhe um deutsch zu lernen, damit ich wieder in meinem Beruf arbeiten kann und wenn ich traurig bin komme ich hierher und es geht mir besser.“ Es ist schön zu sehen, wie die Frauen und Männer ihre Pflänzchen hegen und die gegenseitige Hilfsbereitschaft ist groß, ebenso funktioniert der Austausch von Gartenerfahrungen, Pflanzen und Kochtipps.

Der Garten wird inzwischen nicht nur für Gartenarbeit genutzt sondern auch zum grillen und erholen, Patenschaften kommen um in Ruhe deutsch zu lernen und Kinder spielen. Außer den Beeten gibt es ausreichend Platz für Gemeinschaftsaktionen.

Der Obst- und Gartenbauverein hat eigene Beete und bietet „Gärtnern für Kinder“ an, die unter Anleitung auf einem „Kinderbeet“ säen, pflanzen und später ernten. Durch das mit einem Sichtfenster gebaute Hochbeet kann man einen Blick unter die Erde werfen und auch die Schichten und die Veränderungen im Hochbeet sehen.

Da wir von Anfang an die Anwohner mitgenommen haben, gab es nie Probleme. Auch deutsche, bulgarische, russische Familien haben hier ihr Beet. Der Garten sieht sehr schön aus, umgeben von Blumenbeeten für die Bienen und wird daher auch von den Nachbarn gelobt.

Der Vorstand und einige Mitglieder sind beherzt, mit zeitlichem Engagement und mit viel Liebe vorangegangen.

Die Mittel für das Material kamen aus dem Fonds der „Sozialen Stadt“, dem Obst- und Gartenbauverein und einer Spende, die Gartengeräte wurden von der Oettinger Firma bohner und durch die Pacht von (jährlich 1€/qm) finanziert. Die Arbeit wurde komplett ehrenamtlich geleistet. Die beplante Fläche ist derzeit vollständig vergeben, bei Bedarf ist aber eine Erweiterung möglich.

Am 22. Juli 2017 wurde die Gartentür für alle Interessenten geöffnet.

 

 

Sabine Koloska
Quartiermanagerin „Soziale Stadt“

 

 

 

Bericht im Bayrischen Rundfunk:

www.br.de/nachrichten/schwaben/inhalt/integration-garten-oettingen-100.htm

 

Fernsehreportage bei a.tv "Zwischen Donau und Ries"

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