Ansturm auf die Flugplatzführung

Heuberg

Bild: Überraschend groß war das Interesse an der von der Oettinger Soldaten- und Reservistenkameradschaft angebotenen Führung auf dem einstigen Flugplatz in Heuberg. Bild: SRK Oettingen

 

 

Damit hatten die Verantwortlichen der Oettinger Soldaten- und Reservistenkameradschaft wohl nicht gerechnet. Weit mehr als 100 interessierte Personen konnte Vorstand Josef Ruhland an der Gedenkstätte auf dem ehemaligen Flugplatz Heuberg begrüßen. Sie alle nutzten das Angebot zu einer Führung, um sich über den Bau des Flugplatzes, seine Einrichtungen und über die dort stattgefundenen Ereignisse zu informieren.

 

Wo sich heute in friedlicher Idylle Felder und Wiesen erstrecken, wurde ab 1935 im Zuge der gigantischen Wiederaufrüstung des Deutschen Reiches ein Flugplatz aus dem Boden gestampft. Anfangs wurde der Platz nur für die Ausbildung von Piloten von verschiedenen Fliegerschulen genutzt. Mit der wachsenden Bedrohung des Deutschen Reiches durch die alliierten Luftstreitkräfte ab 1943 wurde der Flugplatz immer wieder angegriffen. Zahlreiche deutsche Soldaten, Zivilisten aber auch amerikanische Piloten fanden bei Angriffen den Tod. Von Heuberg aus starteten Kampfgeschwader zum Angriff auf alliierte Bomberpulks. So etwa im März 1944, als von 23 in Heuberg gestarteten Zerstörern lediglich drei auf den Platz zurückkehrten. Nachdenklich stimmten die Schilderungen über das dort kurz stationierte Jagdgeschwader 53, das von hier aus am 6. Juni 1944 an die Invasionsküste verlegt und binnen kurzer Zeit völlig aufgerieben wurde. Von den 60 Piloten, die von Heuberg aus in die Normandie verlegten, lebten nach vier Wochen nur noch 18.

 

Auch auf das Schicksal der dort ab 1941 untergebrachten sowjetischen Kriegsgefangenen, die unter menschenunwürdigen Bedingungen unter der Aufsicht der SS eingesperrt waren, wurde eingegangen. Ein weiteres düsteres Kapitel wurde in dem von 1946 bis 1962 bestehenden Lager für Heimatvertriebene aus dem Sudetenland geschrieben. Bis zu seiner Schließung wurden 34000 Heimatvertriebene durch das Lager geschleust. Viele der heutigen Familien im Ries mussten von dort aus in einer völlig neuen Umgebung Fuß fassen.

 

Am Ende der Führung konnten die Teilnehmer das 2008 erstellte Denkmal für die Opfer von Gewalt, Krieg und Vertreibung besichtigen, das dort von der Kameradschaft errichtet wurde. Mit einem gemütlichen Beisammensein am Feuerwehrhaus in Heuberg endete die gelungene Veranstaltung.

 

 

 

Die Teilnehmer wurden um die Erlaubnis des Fotografierens gefragt.

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